Geistliches Wort - Thomaskirche Kempen

Direkt zum Seiteninhalt
Geistliches Wort
Nach wie vor sind die 10 Gebote ein Schwerpunktthema des Konfirmandenunterrichts. Die Jugendlichen, deren Namen in diesem Gemeindebrief wieder aufgeführt sind, haben sie auswendig gelernt. Das geschieht in der Erwartung, dass sich ihnen der Charakter und der Anspruch dieser Worte einprägen, auch wenn sie den ganzen Wortlaut später nicht im Einzelnen behalten werden.

Die Zehn Gebote begründen im Alten Testament den Bund Gottes mit Israel und fassen seine Weisungen zusammen. Die bei uns übliche Fassung hat zwei unterschiedliche Teile: die Gebote, welche die Beziehungen der Menschen zu Gott regeln, und dann die Verbote, die den Umgang der Menschen miteinander betreffen. Der Zehn Gebote sind in einem jahrhundertelangen Prozess gewachsen. Angefangen hat es bei den Nomadenstämmen, die durch die Wüste wanderten und aus denen später das Volk Israel wurde: Hier bildete sich allmählich ein Regelwerk heraus, um das Zusammenleben zu ordnen und unter ein religiöses Bekenntnis zu stellen. Später, als Könige über Israel und Juda herrschten, hat man die Überlieferungen der einzelnen Stämme zu der heute bekannten Gestalt des kombiniert - aber immer noch in verschiedenen Varianten. Das geschah zwischen dem zehnten und dem siebten vorchristlichen Jahrhundert.

Warum haben diese Gebote aber immer noch einen so hohen Stellenwert? – Offenbar haben sie sich bewährt. Sie haben viele Generationen ins Herz getroffen und ihnen aus der Seele gesprochen. Die meisten anderen altorientalischen Gesetzestexte formulierten etwa so: „Wenn du dies und das tust, wirst du folgendermaßen bestraft!“ In den Zehn Geboten heißt es dagegen kurz und knapp: „Du sollst nicht töten... du sollst nicht die ehebrechen.“ Es geht hier also nicht um Sühne und irgendwelche exakt definierten Verfehlungen aus der Vergangenheit, sondern um Wegweisung für die Zukunft: So sollst und darfst du leben, wenn du glaubst. Solche Kräfte wachsen dir zu, wenn du mit Gott verbunden bist. Deshalb stellt Gott sich am Anfang der Gebote selbst vor: „Ich bin der Herr, dein Gott.“ Er ist der Befreiergott, der das Glück der Menschen will, kein Himmelstyrann, der den Menschen ihre Freiheit beschneiden will, sondern ein guter Schöpfer, der ihnen Lebensmöglichkeiten eröffnet.

Bernd Wehner
Zurück zum Seiteninhalt