Geistliches Wort - Thomaskirche Kempen

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Geistliches Wort

Glaube & Leben
Geistliches Wort

Weihnachten zu Haus bei Martin Luther

Wie hat man im Hause der Familie Luther Weihnachten gefeiert? Gern hätten wir Mäuschen gespielt. Zum Glück gibt es einige Überlieferungen aus der damaligen Zeit. Allerdings wurde dem Reformator auch vieles später angedichtet.

So viel ist sicher: Allein die Tatsache, dass wir heute so ausgiebig Weihnachten feiern, verdanken wir - natürlich! - Martin Luther.

Vor ihm war zumindest für Kinder eigentlich der Nikolaustag das schönste Fest im kirchlichen Jahreskreis. Nach altem Brauch war es St. Nikolaus, der heimlich Geschenke durch den Kamin in die Stuben warf. In manchen Gegenden tat das auch der Heilige Andreas. Martin Luther hielt aber nicht viel von Heiligen-verehrung. Nicht einmal Maria und Josef oder die Heiligen Drei Könige sollten gefeiert werden. Deswegen wollte Luther, dass die Kinder von klein auf ihre sehnsüchtigen Blicke auf Jesus richten, den „Heiligen Christ“, wie er ihn nannte. „Solus Christus“ für Kinder - Christus allein! Das wundersame „Christkind“ landete erst im Laufe der Zeiten protestantischer Weihnachtsfeiern in der Krippe. Vorher gehörte die Figur zum Kreis der himmlischen Heerscharen, also der Engel, die über dem Stall schwebten.

„Vom Himmel hoch, das komm ich her“ stammt bekanntlich aus der Feder Martin Luthers. Selbstverständlich haben es die Kinder der Familie immer wieder gesungen. Die Weihnachtsgeschichte wurde auswendig aufgesagt. In der Regel waren Waisenkinder mit dazu geladen, um die Freude zu teilen. In vielen Kirchen spielten Kinder die Herbergssuche nach und tanzten um die Krippe.

Insgesamt dürfen wir uns die Weihnachtsfeiern der damaligen Zeit viel bescheidener vorstellen. Allein schon Kerzen waren fast unerschwinglich teuer. Wer geneigt ist, auf die ausufernde Feierstimmung in der Adventszeit zu schimpfen, dem sei gesagt, dass Martin Luther ganz bewusst das strenge Fasten vor Weihnachten abgeschafft hat. 40 Tage lang bis zum 6. Januar - nur mit Unterbrechung am 25. und 26. Dezember, das passte nicht mehr zur reformatorischen Entdeckung des gnädigen und barmherzigen Gottes.

Mit dem Tannenbaum jedoch hat die Reformation gar nichts zu tun! Luthers Schriften und Reden sind ja nun wirklich intensiv ausgewertet worden. Aber einen Hinweis darauf, dass Luther irgendwann mal etwas über einen Weihnachtsbaum gesagt hätte, finden wir nicht. Im Laufe des 19. Jahrhunderts, als kunstvolle Drucke preisgünstig erstanden werden konnten, entstand das Idealbild der Deutschen Weihnacht: Der prächtig geschmückte Weihnachtsbaum, darunter einHumpen und Geschenke, wobei die Armbrust nicht fehlen durfte, die Luther einmal seinem Sohn Hänschen versprochen hatte; der Hausvater mit seiner Laute neben Frau Käthe; die Kinder auf dem Schoß oder andächtig auf den Lichterbaum schauend; auch der Freund Philipp Melanchthon und „Mume Lehne“, die Schwester von Katharina von Bora, sind dabei.

Ist das zu idyllisch oder können wir davon etwas davon in unsere Festgestaltung mitnehmen? Luther war die Konzentration auf Jesus Christus wichtig. Der soll gefeiert und besungen werden. Und er bringt über den engeren Kreis der Familie hinaus Menschen zu einer Gemeinde zusammen. Von Weihnachten geht Freude aus!

Michael Gallach

zuletzt aktualisiert: 11.12.2017
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü